Eine Nacht unter dem Sternenhimmel

Schon lange zählte es zu meinen absoluten Wünschen einmal die Milchstraße zu fotografieren. Nach ersten Versuchen in der Sächsischen Schweiz folgte ein Versuch auf La Palma. Die Insel ist bekannt für Ihre klaren Nächte, nur leider war ich gerade zu Zeiten des Vollmondes auf der Insel.


Vor wenigen Tagen startete ich einen erneuten Versuch auf Teneriffa. Die ersten Tage auf der Insel hatten mir gezeigt, dass Wolken im Bereich der Küste nicht bedeuten, dass es auch im Teide Nationalpark wolkenverhangen sein muss. Also packte ich mein Equipment zusammen und startete gegen 0.00 Uhr in Richtung Teide. Nach einer Fahrt durch ein dichtes Wolkenmeer kam ich gegen 1.00 Uhr am Teide an. Die Nacht da oben war Sternenklar und bereits während der Fahrt entdeckte ich die Milchstraße. Es waren 3 extrem beeindruckende Stunden in völliger Ruhe und Einsamkeit. Dabei entstanden ist dieses Bild.

Einstellungen: f2.8 | 25s | 17mm | ISO 1600

Kameraeinstellung: f2.8 | ISO 1600 | 17mm | 20s

Falls Ihr auch mal die Milchstraße fotografieren möchtet, findet Ihr hier meine Tipps:


1. Orte mit minimaler Lichtverschmutzung finden

Sucht euch einen wirklich dunklen Ort mit wenig künstlichem Licht. Hohe Berge oder große Naturgebiete sind dafür sehr gut geeignet. Eine hilfreiche Website um solche Orte ausfindig zu machen ist www.darksitefinder.com. Diese Seite zeigt anhand einer illustrierten Karte die weltweite "Lichtverschmutzung" an - somit werden aber auch die besonders dunklen Orte einer Region sichtbar.


2. Den richtigen Zeitpunkt planen

Die besten Sternbilder entstehen im Zeitraum des Neumondes. Nur an diesen bestimmten Tagen sind die Nächte besonders dunkel und vor allem erhellt der Mond nicht den Himmel. Wann die nächsten Neumondtage sind, könnt Ihr einfach im Web herausfinden. Ich nutze für die Planung die IOS App Photopills. Auf die App werde ich später noch einmal genau eingehen. Ebenso ist das vorhergesagte Wetter extrem wichtig. Oftmals fährt man stundenlang aus der Stadt heraus, stimmt dann das Wetter nicht, war die ganze Mühe umsonst.


Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sichtbarkeit und der Stand der Milchstraße. Diese ist nicht die ganze Nacht sichtbar. Ebenso gibt es einen Zeitraum, in dem die Milchstraße besonders deutlich am Himmel steht. Um diesen Moment nicht zu verpassen nutze ich ebenso die App Photopills. Mein geschätzter Kollege Johannes Schmidt (www.photograficx.de) hat dazu ein hervorragendes Tutorial erstellt, welches Ihr hier findet. Klick...


Vielen Dank an dieser Stelle an Johannes, dass ich das Video hier mit euch teilen darf. Johannes erklärt in diesem Video sehr ausführlich, wie Ihr die App für die perfekte Planung einer Milchstraßenaufnahme richtig nutzt.


3. Die richtige Ausstattung kann entscheidend sein

Es fängt schon bei der richtigen Kleidung an. Oftmals fährt man im lauen Sommernächten los und wird dann schnell von der eintretenden Mitternachtskälte überrascht. Nehmt am besten immer ein Jacke mit und zieht eine lange Hose an. Speziell wenn Ihr an Gewässern Aufnahmen machen wollt, schützt euch dies nicht nur vor Kälte sondern auch vor Mücken. Festes Schuhwerk ist gerade in bergigen Regionen sehr empfehlenswert. Achtet auf eure Schritte und geht kein Risiko ein.


Ebenso wichtig sind einfache aber gute LED-Stirnlampen, welche nicht nur weißes Licht sondern auch rotes Licht erzeugen können. Warum rotes Licht? In vielen Lichtschutzgebieten ist es untersagt mit weißen Stirnlampen durch die Natur zu laufen. Ebenso reicht das etwas dunklere rote Licht völlig aus, um die wichtigsten Einstellungen vornehmen zu können. Auch die Augen werden es euch danken, denn sie müssen sich nicht ständig von Neuem auf die Dunkelheit einstellen.


Um einen Lichtstrahl wie im oben aufgeführten Bild in den Himmel zu werfen, benötigt Ihr eine starke und vor allem zoombare LED Taschenlampe. Diese gibt es von verschiedensten Herstellern in den unterschiedlichsten Preissegmenten. Ich bin ganz ehrlich, meine Taschenlampe ist von Amazon und kam weniger als 50,00 €.


Wenn Ihr an entlegene Orte fahrt, stellt bitte sicher genügend Benzin im Tank zu haben und tragt eine Powerbank bei euch, um das Handy notfalls nachladen zu können. Auch die Mitnahme von Kaffee empfehle ich jedem, denn eine Nacht kann schnell lang werden und die Müdigkeit kommt bestimmt.


4. Dieses Equipment solltet Ihr dabei haben

Ich nutze eine Canon Spiegelreflexkamera mit einem lichtstarken Tamron Objektiv mit einer durchgängigen Blende von f2.8. Es ist wirklich extrem von Vorteil, dass euer Objektiv wenn möglich weitwinklig sowie mit einer möglichst großen Offenblende ausgestattet ist. Ein festes Stativ mit Kugelkopf sowie einen Fernauslöser solltet Ihr ebenso dabei haben. Ausreichend Akkus sind ebenso von Vorteil wie genügend Speicherkarten.


5. Das perfekte Motiv finden

Ein Bild der Milchstraße wird umso interessanter, wenn Ihr dazu noch ein schönen Vordergrund wählt. Dieser sollte massiv sein und wenn möglich in solch einer Entfernung gelegen sein, dass eure Fokussierung auf "unendlich" den Vordergrund ebenso scharf ablichtet.


Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Vordergrund leicht mit einer Taschenlampe auszuleuchten oder eben einen Lichtstrahl in den Himmel zu werfen. Bäume und Pflanzen eignen sich nur an windstillen Abenden, da diese sonst durch die Langzeitbelichtung verwaschen.


Städte oder Dörfer im Hintergrund werfen viel Licht, daher kommt die Milchstraße oftmals nicht wirklich schön zur Geltung. Eine Menge Nachbearbeitung ist dann von Nöten. Bitte achtet in bergigen Regionen darauf, dass euer Stativ fest steht, nicht selten fallen Stative inkl. Kamera in der Nacht gern auch mal um.


5. Die richtigen Kameraeinstellungen wählen

Grundsätzlich fotografiert Ihr Sterne im "M" Modus eurer Kamera. Diesen Modus besitzen in der Regel DSLR, SLT oder Systemkameras. Einige höherwertige Kompaktkameras können auch im M-Modus betrieben werden.


Um Sterne sowie die Milchstraße möglichst klar zu fotografieren, sollte die Belichtungszeit nicht länger als 15-25 Sekunden sein. Es gibt auch "Die 500-Regel" zur Berechnung der maximalen Belichtungszeit, sie lautet:

500 / (eingestellte Brennweite * Cropfaktor) = max. Belichtungszeit in Sek.

Der Cropfaktor von APS-C Kameras unterscheidet sich von Marke zu Marke. Bei Canon ist es 1,6 und bei Nikon 1,5. Am besten Ihr probiert selbst, ob Ihr ein mathematische Berechnung bevorzugt oder auf euer Bauchgefühl hört. Länger als 25 Sekunden solltet Ihr allerdings keine Aufnahme belichten.


Um so viel wie möglich Licht in die Kamera zu bekommen, wählt Ihre eine möglichst große Offenblende (f1.8 - f2.8). Je nach Lichtempfindlichkeit eures Objektivs müsst Ihr nun noch den ISO Wert nach oben drehen. Meine persönliche Erfahrung hat gezeigt, dass ein ISO Wert von 800 - 1600 oftmals ausreicht, um schön Aufnahmen zu machen, ohne dass das Bild zu sehr verrauscht. Solltet Ihr in Besitz eines Objektivs mit kleinerer Blende sein, könnt Ihr den Iso Wert auch noch etwas nach oben drehen - maximal empfehle ich einen ISO Wert von 3200. Je nach Rauschverhalten eurer Kamera kann es aber dazu kommen, dass die Bilder immer mehr verrauschen.


Warum kann man nicht einfach länger belichten? Um so länger Ihr belichtet um so mehr ziehen die Sterne ihre Kreise, denn wie wir wissen dreht sich die Erde weiter. Für das oben gezeigte Bild wurde folgende Einstellung gewählt: f2.8 | ISO 1600 | 17mm | 20s


Den Bildstabilisator könnt Ihr deaktivieren, da die Kamera auf einem Stativ steht. Bei Kameras mit Spiegelvorauslösung, sollte diese aktiviert sein.


7. Fokussierung

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die richtige Fokussierung eures Bildes. Viele Objektive haben eine Skala, welche das "unendlich" Symbol aufweisen. Dies bedeutet, dass die Schärfe ins unendlich (weite) gestellt wird. Diese Einstellung wird zwar oft empfohlen, meine Erfahrung zeigt jedoch, dass dies oft etwas ungenau ist. Ich versuche daher immer eine Lichtquelle in der Ferne zu finden und dann manuell den richtigen Fokus einzustellen.


Alternativ und auch für Objektive ohne Skala geeignet, empfehle ich die Kamera am Tag aufzustellen, manuell den weitesten Punkt zu fokussieren und dann diese Einstellung mit einem Edding auf dem Objektiv zu markieren. Der Autofokus funktioniert in der völligen Dunkelheit nicht. Auch gibt es oftmals keinerlei Lichtquellen, welche bei der Fokussierung helfen könnten.


8. Genießt den Moment

Wichtig bei allem Aufwand ist es für mich ebenso den Moment der völligen Stille und Dunkelheit zu genießen. In der heutigen Zeit sind solche Augenblicke selten.

All meine Tipps entstammen aus meiner persönlichen Erfahrung und vielen Selbstversuchen sowie hilfreichen Artikeln. Es müssen viele Faktoren stimmen und es gibt keine Garantie, dass alles perfekt klappt. Jedoch sind die Grundvoraussetzungen mit diesen Punkten abgedeckt und sollen Euch bei den ersten eigenen Schritten helfen. Sicherlich gibt es weitere hilfreiche Anmerkungen und andere Herangehensweisen eurerseits, gern könnt Ihr diese in den Kommentaren mit mir teilen. Ich hoffe sehr ich konnte Euch eine kleine Hilfestellung geben und wünsche euch viel Erfolg bei den ersten Versuchen.


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